Bericht der ordentlichen Hauptversammlung 2025 Am…
05. Dezember 2025 Ralph Barnstein Sachsen
Landesgruppenvorsitzender Bernd Heitmann (2.v.r.) überreichte Gastgeschenke an Volker Bergmann (l.), Jörg Hans (2.v.l) und Konstantin Ziller (r.)
Auf dem Weg zum erlesenen Tropfen
Im Umfeld des Dresdner Alberthafens traf sich Anfang Dezember die Landesgruppe Sachsen des Deutschen Braumeister- und Malzmeister- Bundes e. V. mit 45 Teilnehmern zur Jahresabschlussveranstaltung,
um in der Dresdner Whisky Manufaktur GmbH mehr über die Geheimnisse der Whisky-Herstellung zu erfahren.
Auffällig ist der der Markenname der hergestellten Produkte, „Hellinger 42“. Auf der Suche nach einem einprägsamen und leicht auszusprechenden Namen für den Dresdner Whisky kam man schließlich auf die ungewöhnliche Kombination aus dem Mädchennamen der Mutter eines Gründers (Frau Hellinger) und der Zahl 42, die als Anspielung auf Douglas Adams' Romanreihe "Per Anhalter durch die Galaxis" zu verstehen ist und dort die "endgültige Antwort auf alles" darstellt.
Frank Leichsenring und Thomas Michalski erfüllten sich 2019 mit der Gründung des Unternehmens einen Traum und riefen kurz darauf die Marke Hellinger 42 ins Leben.
2020 wurde das Gründerteam um Uwe Löscher und Rainer Kern erweitert, die wie die beiden Pioniere die Leidenschaft für guten Whisky teilen. Die Produktion der eigenen Single Malts startete 2022 in der komplett umgebauten ehemaligen Elblachsräucherei neben alten Güterwagons und Hafenkran.
Vielseitiges Neuland
Den Umfang des ehrgeizigen Projektes konnten die Landesgruppenmitglieder bei der fachlich sehr ansprechenden Führung erleben. In drei Gruppen wurden die einzelnen Prozessschritte von der Maischarbeit bis zur Fassabfüllung durchlaufen.
Für die Produktion der Whisky-Spezialitäten kommen Gerstenmalze aus drei Mälzereien zum Einsatz, ein im Torfrauch gedarrtes Malz wird von einer schottischen Mälzerei geliefert.
Die verwendeten Malze weißen niedrige Eiweißgehalte bei zugleich hohem Extraktgehalt auf und werden bei niedriger Temperaturführung hergestellt.
Für die Schrotung kommt eine Mühle vom Typ T-Rex der Ziemann-Holvrieka GmbH, Ludwigsburg, zum Einsatz. Mit einer Kapazität von 5 t/h ist der Schrotprozess in maximal 45 Minuten abgeschlossen. Das Einmaischen im Verhältnis 1:2 erfolgt ohne zusätzlichen Schrotbunker in einem Maischgefäß der Apparatebau Nordhausen GmbH, Nordhausen.
Für das verwendete Wasser kommt aktuell Stadtwasser zum Einsatz. Dieses wird über eine Enthärtungsanlage der Günbeck AG, Höchstädt a. d. Donau, auf 3 bis 4 °dH eingestellt. Nachgeschaltete Aktivkohlefilter sorgen für ein standardisiertes und neutrales Aromaprofil und eliminieren Feinstpartikel. Aktuell wird ein zusätzlicher 8 m tiefer Brunnen erschlossen, der zukünftig Uferfiltrat bereitstellen soll.
Mit Abschluss der Maischarbeit durchläuft die Maische ein kontinuierlich arbeitendes Läutersystem vom Typ Nessie, der Ziemann-Holvrieka GmbH. Da während der Führung produziert wurde, erhielten die Teilnehmer die Möglichkeit, in den geöffneten Drehfiltern des Läutersystems das seitliche Ablaufen der Würze zu beobachten. Konstantin Ziller, Produktmanager bei Ziemann, erläuterte anschaulich den Verfahrensablauf. Beim Anschwänzen wird kaskadenartig und in jeweils einem der Drehfilter Glattwasser, bzw. Frischwasser und Würze mit geringerer Konzentration zum Auswaschen zugeführt. Die Stammwürze wird auf ca. 22 °Plato eingestellt. Das installierte Nessie-System verfügt über eine Leistung von bis zu 45 hl/h. Die anfallenden Treber werden als Viehfutter abgegeben. Je Sud werden ca. 100 hl Würze hergestellt und auf 25 °C Anstelltemperatur gekühlt. Im 200 hl fassenden Gärtank wird nach Abschluss des Gärprozesses nach etwa drei Tagen ein Alkoholgehalt von 10 bis 11 Vol.-% erreicht.
Für den Brennvorgang stehen zwei Brennblasen mit jeweils 5000 l Volumen zur Verfügung.
Die erste Brennblase liefert in 5,5 h 450 l Alkohol. Die zweite Blase erzeugt über einen Zeitraum von zwölf Stunden bis zu 2000 l/d reinen Alkohol im 2-Schicht-Betrieb. Die anfallende Schlempe wird an ein regional ansässiges Unternehmen zur Biogaserzeugung übergeben. Die Abfüllung des Whiskys erfolgt zu 95 % in ehemalige Bourbon-Fässer, hierbei wird das Produkt zuvor mit Wasser geblendet und auf einen Alkoholgehalt von ca. 63 % eingestellt, um im Holzfass die qualitativ hochwertigste Reifung sicher zu stellen. Bis zu 15 Fässer werden täglich gefüllt. Zur Kontrolle steht eine Fasswägeeinrichtung zur Verfügung, die das Fasseigengewicht berücksichtigt. Die Befüllung erfolgt mit einer Zapfpistole, die im Aufbau an eine klassische Tankstellenanwendung erinnert.
Beim Rundgang wurde klar, welche Herausforderungen es zu meistern galt, in einem bereits bestehenden Gebäude alle notwendigen Anlagenteile in möglichst effizienter Anordnung zu integrieren. Vieles musste dynamisch und situationsbedingt entschieden und angepasst werden. Eine trotz der Herausforderungen beeindruckend vorbildliche Leitungsführung realisierte die Bergmann Rohr- und Schweisstechnik e.K., Dresden auch ohne vorliegende Planungsunterlagen.
Innovative Sonderlinge
Im sich anschließenden Fachvortrag blickte Konstantin Ziller, Ziemann-Holvrieka, auf 170 Jahre Ziemann-Firmengeschichte zurück. Er stellte anschaulich die Besonderheiten der Schrotmühle T-Rex und des Läutersystems Nessie heraus. Die geriffelten Kegelscheiben des T-Rex ermöglichen auf kurzer Walzenlänge eine größtmögliche Mahlfläche, wodurch die Walzenstuhllänge deutlich kürzer ausfällt. Die Mühle wird damit kompakter und lässt sich leichter in Bestandsgebäude integrieren. Die im Zickzackprofil gegeneinander laufenden Kegelscheiben sind einzeln austauschbar, was die Wartung erleichtert und die Bereitstellung schwerer Hebetechnik bei Serviceeinsätzen vermeidet. Das kompakte Mühlendesign bewirkt eine Gewichtsreduzierung, die sich positiv auf die Lasteinbringung bei insbesondere älterer Bausubstanz auswirkt. Der Betrieb kann konditioniert oder auch in Trockenschrotung erfolgen. Das erhaltene Schrot ist auch für Läuterbottichanwendungen geeignet.
Das außergewöhnlich anmutende Läutersystem Nessie ist als Drehscheibenfilter ausgeführt. Die rotierenden Trommeln haben jeweils einen Durchmesser von ca. 1 m und werden nacheinander angeordnet. Bei steigendem Leistungsbedarf erhöht sich die Anzahl der Drehscheibenfilter entsprechend. Als Filteroberfläche kommt ein jeweils seitlich angeordnetes gesintertes Edelstahlsieb mit einer Porosität von 70 µm zum Einsatz. Im unteren Teil der sich drehenden Filteroberflächen fließen Würze und Nachgüsse seitlich am Boden ab. Das Auswaschen des entstehenden Treberbetts erfolgt über oberhalb der Trommel angeordneter Sprühkugeln. Über eine Öffnung wird das nasse Trebermaterial zur jeweils nächsten Trommel überführt. Ein besonderer Vorteil des Verfahrens zeigt sich in der Rohstoffflexibilität und in der Möglichkeit einer quasikontinuierlichen Betriebsweise. Während sich das Läutersystem in Brauereianwendungen bedingt durch vergleichsweise trübe Würzen bisher nicht durchsetzen konnte, ist das Verfahren insbesondere für Anwendungen wie die Whiskyherstellung mit sich anschließender Destillation interessant. Die Landesgruppe bedankte sich jeweils mit einem Gastgeschenk bei Geschäftsführer Jörg Hans und seinen Braumeisterkollegen von der Dresdner Whisky Manufaktur für die fachkundige Führung und Einladung, bei Volker Bergmann, Bergmann Rohr- und Schweisstechnik, für das Abendessen sowie bei Konstantin Ziller, Ziemann-Holvrieka, für die anschauliche Erläuterung der installierten Technologie bei laufendem Betrieb. Ein besonderer Dank gilt zudem der Privatbrauerei Schwerter Meißen GmbH und den Oppacher Mineralquellen für die Bereitstellung der Getränke. Mit guten Gesprächen und beim Wiedersehen auch fern angereister Berufskollegen endete ein sehr interessanter Abend, an dem sicher so manche Vereinsmitglieder in den Regalen des ansprechend gestalteten Besucherzentrums noch ein besonderes Weihnachtsgeschenk entdeckt haben.
Alexander Hofmann
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