Hauptversammlung in Lübz  

Neustart mit alten Bekannten

Wir sind aus dem Rhythmus gekommen. Aus einer üblicherweise zweijährigen Wahlperiode sind drei Jahre geworden, die ins Land gezogen sind. Zwischen der letzten Wahlversammlung 2019 und heute liegen epochale Veränderungen, welche weltweit ausstrahlen. Somit trifft es auch uns und unsere Arbeit in der Landesgruppe. Die verschiedenen wellenförmigen Maßnahmeperioden unter dem Banner des Infektionsschutzes haben Kontakte beschränkt und verhindert, Planungen verunmöglicht und ganze Veranstaltungen ins Wasser fallen lassen. Diese Erfahrungen haben uns allen deutlich vor Augen geführt, dass Menschen soziale Wesen sind und keine Maschinen. Kontakte, Bindungen, Kommunikation und Austausch auf den unterschiedlichsten Beziehungsebenen sind Lebenselixier. Daher haben wir die erstbeste Möglichkeit genutzt, am 29. April ohne jedwede Einschränkung unsere noch ausstehende Vorstandswahl abzuhalten. In Lübz. Wo auch sonst, denn es gab nur wenige Wahlen, die nicht in der Eldestadt stattgefunden haben.

Der amtierende Vorstand und Beirat sowie beide Kassenprüferinnen stellten sich erneut dem Votum der 24 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder. Nach Auszählung der in geheimer Wahl abgegebenen Stimmen stand fest: alle Kandidaten wurden ins Amt gewählt. Uwe Kästner wird seine letzte Wahlperiode als Vorsitzender absolvieren, Heinz Tegethoff bleibt stellvertretender Vorsitzender. Schatzmeister Knut Lamprecht kann sich weiterhin auf die Unterstützung von Ellen Reiter und Monika Feuer als Kassenprüferinnen verlassen. Frank Lucas wird die Funktion als Schriftführer fortsetzen und unsere Mitglieder Detlef Barthel, Frank Zimmermann und Andreas Lietz bilden in bewährter Weise den Beirat.

Das ursprünglich avisierte Ausscheiden von Uwe Kästner aus dem Vorstand wurde von ihm selbst wieder verworfen. Die verschobenen und ausgefallenen Aktivitäten der Landesgruppe der letzten zwei Jahre sorgten für einen Sinneswandel. Auf diese Art und Weise wollte Uwe nicht von diesem Ehrenamt abtreten! Die nächste Wahlperiode soll im Zeichen des Neustarts stehen – natürlich mit Präsenzveranstaltungen. Ohne Maske, ohne Abstand, ohne Einschränkungen. Mit menschlicher Nähe, mit echten Emotionen, mit Empathie. Das ist unser Wunsch. Es wird sich zeigen, inwieweit diese Vorstellungen umsetzbar sind. Gibt es doch derzeit außer den gesundheitsbezogenen Rahmenbedingungen noch weitere Umstände mit Einschränkungspotenzial. Die Stichworte lauten Krieg, Energie- und Rohstoffversorgung.

In einer Art ungewollter Vorahnung hatten wir bei unseren einzigen beiden Veranstaltungen im letzten Jahr die Themen militärische Grenzsicherung (Grenzturm-Museum Kühlungsborn) und Nahrungsmittelversorgung (Getreidetag in Biestow) eingehender beleuchtet. Dass diese Themenkreise innerhalb eines Jahres brandaktuell sein werden, hat wohl niemand von uns sich vorstellen können.

Bei nur zwei Veranstaltungen 2021 sowie dem Ausfalljahr 2020 fiel der Rechenschaftsbericht der letzten Wahlperiode erwartbar kurz aus. Dies gilt es jetzt zu korrigieren. Unser Wahltag ist der Startschuss. Eine Betriebsbesichtigung vor dem Wahlprozedere zeigt uns die Weiterentwicklung der Mecklenburgischen Brauerei Lübz auf. Innerhalb der deutschen Carlsberg-Familie gab es Zuwachs mit dem Erwerb des traditionsreichen Standortes in Wernesgrün. So bestehen jetzt mehr Optionen für Optimierungsprozesse innerhalb der Konzernstruktur.

Die Produktion ist in vollem Gange, es duftet nach kochender Würze und Flaschen- und Dosenfüller drehen sich im rasanten Abfülltakt. Da es bereits Freitag Nachmittag ist, werten wir das als Zeichen guter Auslastung. Die Trends Alkoholfrei und Biermix sowie die Kombination aus beidem sind nach wie vor aktuell und auch hier in der Brauerei sichtbar. Investitionen in effizienteres Handling bei Zucker und Fruchtkomponenten mit größeren Gebinden tragen der Ausstoßsteigerung in diesen Bereichen Rechnung. Eine eigene Entalkoholisierung wird zukünftig weniger Tankwagenlogistik erforderlich machen. Die Komponenten der neuen Anlage sind schon komplett vor Ort zu besichtigen und harren ihrer Inbetriebnahme.

Neugestaltete Zonen für geführte Brauereitouren halten jetzt viel historisches Anschauungsmaterial bereit. So wird dem Besucher die Entwicklung der 1877 gegründeten Brauerei im Zeitraffer vor Augen geführt. Von der Vereinsbrauerei Mecklenburgischer Wirte bis zum bedeutenden Standort der Carlsberg Deutschland. Die Entwicklung steht nie still, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Brauereimauern. Im Regionalen wie im Globalen. Was die Zukunft für uns bereit hält, ist mit vielen Fragezeichen versehen.

Der Ausklang des Wahltages bietet bei einem Glas Bier gute Gelegenheit darüber zu philosophieren. Wir tun das ausgiebig, auch wenn viele Fragen naturgemäß offen bleiben. Das Karl Valentin zugeschriebene Bonmot „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“ können wir nur bestätigen. Das einzig Feststehende ist die Tatsache, dass sämtliche gesellschaftlichen Entwicklungen nicht vom Himmel fallen, sondern von Menschen beeinflusst werden. Also heißt es, Verantwortung zu übernehmen, nicht zuletzt für sich selbst. Die frischgewählten Vorstands- und Beiratsmitglieder sowie die Kassenprüferinnen haben schon mal vorgelegt. Darauf ein Bier!

 

Frank Lucas

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